Hilfe zu den Optionsschein-Kennzahlen

Um zu bestimmen, ob ein Investment in einen Optionsschein lohnenswert ist, werden verschiedene Werte als Entscheidungsgrundlage herangezogen.

Ausgangspunkt ist die eigene Markterwartung, z. B. ob mit steigenden, stagnierenden oder stark schwankenden Kursen zu rechnen ist. Die Optionsschein-Kennzahlen helfen dabei, den Optionsschein zu finden, bei dem man am meisten vom Eintreffen der Markterwartung profitiert, geben aber zugleich Auskunft über das Risiko, das dieses Investment beinhaltet.

Man sollte einzelne Kennzahlen nie isoliert für sich betrachten, weil ein einziger Wert das Chancen/Risiko-Profil nicht vollständig wiedergeben kann. Weiters muss man beachten, dass bei den Kennzahlen keine Transaktionskosten berücksichtigt sind.

Aufgeld

Um diesen Betrag muss der Basiswert bis zur Fälligkeit des Calls mindestens steigen (bzw. fallen bei einem Put), damit der Gewinn durch Ausübung der Option den Kaufpreis des Optionsscheins deckt.

Aufgeld p. a.

Diese Kennzahl stellt das Aufgeld als Steigerung in Prozent pro Jahr dar und macht die Aufgelder verschiedener Optionsscheine dadurch vergleichbarer.

Break-Even

Wie viel man durch Kauf und Ausübung der Option für einen Basiswert bezahlt. Steigt der Kurs des Basiswerts darüber, macht der Käufer eines Calls einen Gewinn, bleibt der Kurs darunter, ergibt sich für ihn ein Verlust.
Ein Käufer eines Puts macht einen Gewinn, wenn der Basiswert unter den Break-Even fällt und einen Verlust, wenn er darüber bleibt.
Break-Even für Calls
= Basispreis + Kaufkurs des Optionsscheins/BV
= Kurs des Basiswerts + Aufgeld,
für Puts sind die + durch - zu ersetzen.

Delta

Das Delta ist ein Sensitivitätsmass und gibt die Veränderung des Optionsscheinpreises in Abhängigkeit von der Kursveränderung des Basiswertes an. Bei Call-Optionsscheinen kann das Delta Werte zwischen 0 und 1 annehmen, bei Put-Optionsscheinen zwischen 0 und -1. Je näher das Delta bei 1 bzw. -1 liegt, um so mehr folgt der Optionsscheinpreis den Kursveränderungen des Basiswertes. Bei einem Delta von 0,5 steigt der Optionsscheinpreis theoretisch um 0,50 Euro, wenn der Basiswert um 1 Euro steigt. Mit dem Delta kann auch die Wahrscheinlichkeit, mit welcher der Optionsschein am Ende der Laufzeit einen inneren Wert hat, also "In-the-money" ist, abgeschätzt werden. Ein Delta von 0,7 (bzw. -0,7 bei einem Put-Optionsschein) bedeutet, dass der Optionsschein mit 70 %-iger Wahrscheinlichkeit am Ende der Laufzeit einen inneren Wert hat. Je weiter der Optionsschein aus dem Geld ist, desto tiefer ist sein Delta und desto weniger reagiert der Optionsscheinpreis auf Änderungen des Basiswertes. Daher wird empfohlen, nur Optionsscheine zu kaufen, deren Delta grösser als 0,3 bzw. kleiner als -0,3 ist.

Gamma

Dieser Sensitivitätsfaktor gibt die Änderung von Delta an, wenn der Kurs des Basiswerts steigt oder fällt. Ein Wert von 0,1 bedeutet z. B.: Wenn der Basiswert um einen kleinen Betrag steigt, steigt Delta um ein Zehntel dieses Betrags.

Hebel

Verdeutlicht, wie viel mal der Optionsschein prozentuell stärker schwankt als der Basiswert selbst. Große Werte zeigen erhöhte Chancen und Risiken an.
Hebel = Kurs des Basiswertes / (Kurs des Optionsscheins / BV)
(Für Puts wird der Hebel mit negativem Vorzeichen ausgewiesen.)
Bei dieser Berechnung nimmt man an, dass der Optionsschein die absolute Kursveränderung des Basiswerts entsprechend seines Bezugsverhältnisses mitmacht, d. h. dass der Zeitwert konstant bleibt. Dies ist jedoch nur eine grobe Näherung, weil der Zeitwert in der Realität durch die Einschätzungen der Marktteilnehmer zustande kommt. Aussagekräftiger ist das Omega.

Historische Volatität

Misst wie stark der Basiswert in den letzten 30 Tagen schwankte. Eine historische Volatilität von 20% bedeutet z. B.: In 2/3 aller Fälle ist der Kurs in einem Intervall von +/-20% um seinen Durchschnittswert gelegen. Dieser Parameter geht in die Berechnung des theoretischen Werts ein.

Implizite Volatität

Welchen Wert man für die historische Volatilität einsetzen müsste, damit nach dem Optionspreis-Modell der aktuelle Kurs gleich dem theoretischen Wert ist. Mit der impliziten Volatilität versucht man, die Einschätzung der Marktteilnehmer sichtbar zu machen, denn relevant für den Kurs eines Optionsscheins ist nur die (geschätzte) zukünftige Volatilität, nicht die historische.

Innerer Wert

Der innere Wert einer Option wird aus der Differenz zwischen Ausübungspreis und Kurs des Basiswertes berechnet. Call: Kurs des Basiswertes minus Ausübungswert. Put: Ausübungspreis minus Kurs des Basiswertes. Ist das Ergebnis negativ, beträgt der innere Wert Null.

Omega

In der Theorie gibt der Hebel an, um wieviel mal mehr der Optionsschein steigt oder fällt, wenn der Basiswert (etwa eine Aktie) um ein Prozent steigt oder fällt. Im Gegensatz zum Hebel, der eine gleich starke absolute Kursveränderung von Optionsschein und Basiswert unterstellt, misst Omega durch die Berücksichtigung der Kennziffer die tatsächliche Hebelleistung des Optionsscheins. Insbesondere bei Optionsscheinen, die weit aus dem Geld notieren - also bei Calls deren Kurs weit über dem Kurs des Basiswerts liegt - können so Fehlbewertungen, die bei einer Fokussierung auf den Hebel entstehen, vermieden werden.

RHO

Mit der Kennzahl Rho wird der Einfluß einer Zinssatzänderung (Geldmarktzins) auf den Optionsscheinpreis beschrieben. Die Bank als Verkäufer eines Call-Optionsscheins ist verpflichtet - falls in den Bedingungen vorgesehen - den Basiswert am Verfalltag zu liefern. Somit muß die Bank bei Emission des Optionsscheins den Basiswert erwerben. Das Institut hat also eine Position, die sie über die gesamte Laufzeit am Geldmarkt finanzieren muss, was Kosten verursacht. Diese Kosten werden in den Preis des Call-Optionsscheins eingerechnet. Somit wird der Call-Optionsschein billiger, falls die Geldmarktzinsen sinken und teurer, falls sie steigen. Als Emittentin von Put-Optionsscheinen muß die Bank zur Absicherung der Optionsscheinposition nun den Basiswert verkaufen, da sie sich verpflichtet, am Laufzeitende den Basiswert zum Basispreis vom Anleger zu erwerben. Die Erträge, die aus dem Verkauf des Basiswerts resultieren, wird die Bank in den Preis des Put-Optionsscheins einrechnen. Somit wird der Put-Warrant billiger, falls die Geldmarktzinsen steigen und teurer, falls die Geldmarktzinsen sinken. Die Kennzahl Rho drückt nun die Veränderung des Optionsscheinpreises aus, wenn sich der Zinssatz um 1 Prozent ändert. Die Kennzahl liegt bei einem Kaufoptionsschein immer zwischen 0 und 1, bei einem Verkaufsoptionsschein zwischen 0 und -1. Mit abnehmender Restlaufzeit verringert sich der Einfluß der Finanzierungskosten auf den Optionsscheinpreis. Als Folge davon wird das Rho somit immer kleiner.

Theta

Optionsscheine unterliegen einem Zeitwertverlust. Mit der Kennzahl Theta wird der Einfluss der Änderung der Restlaufzeit auf den Optionsscheinpreis beschrieben. Sie drückt somit die Veränderung des Optionsscheinpreises aus, wenn sich die Restlaufzeit um einen Tag ändert. Angegeben wird das Theta, das immer ein negatives Vorzeichen hat, entweder als tägliche oder wöchentliche Kennzahl. Ein kleines Beispiel dient dazu, die Wirkung des Thetas zu verstehen. Die Aktie der fiktiven Auto AG notiert bei 54,70 Euro. Ein Call mit einem Basispreis von 60 Euro, einer Restlaufzeit von 400 Tagen und einem Bezugsverhältnis von 1 zu 10 kostet 54 Cent. Das tägliche Theta dieses Optionsscheins liegt bei -0,00135 Euro und das wöchentliche Theta bei -0,00945 Euro. Das heißt: Der Optionsschein verliert jeden Tag, an dem sich der Preis des Basiswertes, die Volatilität und die Zinsen nicht ändern, 0,00135 Euro. Bei Optionsscheinen, die „tief im Geld“ liegen, ist das Theta gering. Der Grund: Diese Optionsscheine weisen einen hohen inneren Wert auf, die Zeitwertkomponente ist gering. Wie bei Optionsscheinen, die „aus dem Geld“ notieren, nimmt der Zeitwert hier eher linear ab. Am höchsten ist das Theta bei Optionsscheinen, die „am Geld“ notieren. Hier ist der Zeitwertverfall enorm, besonders gegen Laufzeitende. Daher gilt für diese Scheine folgende Faustregel: Die Laufzeit des ausgewählten Optionsscheins sollte um drei Monate länger gewählt werden als die Zeitspanne, in der der Anleger eine Kursbewegung im Basiswert erwartet.

Zeitwert

Kurs des Optionsscheins weniger seinem innerem Wert. Der Zeitwert tendiert gegen 0 mit kürzer werdender Restlaufzeit, weil die Chance auf einen günstigen Kursausschlag des Basiswerts geringer wird.